Flexible Arbeitszeiten – Zeitarbeit als Lösung?

Industrie 1.0: Ob hier starke Flexibilitätsmodelle möglich sind, ist fraglich

Unsere Großeltern hatten Zehn-Stunden-Tage, arbeiteten auch an Wochenenden. Lediglich die Sonntage waren tabu, Urlaub gab es wenig, die soziale Absicherung war gering und an Leistungen wie Weihnachts- oder Urlaubsgeld war im Traum nicht zu denken, geschweige denn von Arbeitszeitkonten, Homeoffice oder Sabbaticals. Seither hat sich die Arbeitswelt grundlegend gewandelt. Die Industriearbeitsplätze wichen mehr und mehr den Schreibtischjobs, das Industrie- dem Informationszeitalter. Die Gesellschaft veränderte sich im gleichen Takt mit, doppelte Erwerbstätigkeit wurde in vielen Familien - auch aufgrund der Entwicklung von Löhnen und Preisen - Standard.

Diese Mehrbeanspruchung brachte andere Fragen nach Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen und der Bedeutung der Freizeit auf, die mehr oder weniger befriedigend gelöst sind oder noch auf ihre Lösung warten. Aber wenn die Digitalisierung und die Entwicklung neuer Arbeitsformen etwas Gutes hatten, dann ist es die Flexibilisierung von Arbeitszeiten. Viele moderne Unternehmen konnten sich von den starren 9.00-17.00-Uhr-Vorgaben lösen und überlassen die Einteilung der Arbeitszeit (weitgehend) den Mitarbeitern. Das führt dann zu hochflexiblen Lösungen, bei denen Maßnahmen wie Arbeitszeitkonten, Heimarbeit, variable Anfangs- und Endzeiten zum Einsatz kommen. Ein Gleiches gilt auch für die Reduktion oder Aufstockung von Arbeitszeiten: Sie sind in modernen Betrieben fast jederzeit möglich.

So weit, so bekannt. Trotzdem wünschen sich Stand November einer Umfrage des Bundesarbeitgeberverbandes der Personaldienstleister (BAP) zufolge fast vier Millionen Menschen in der Bundesrepublik höhere (2,4 Mio.) bzw. niedrigere (1,4 Mio.) Arbeitszeiten. Und nicht von ungefähr weist der BAP auf diese Tatsache hin, schließlich sind es vor allem die Angebote in der Zeitarbeit, die den Trend zur Flexibilisierung mit am besten aufnehmen. Schließlich kann der Zeitarbeitnehmer häufig den Einsatzort und das Unternehmen wählen, dass seinen Vorstellungen bezüglich viel oder mehr Arbeitszeit am besten entspricht. Da der Markt sich oft auch nach den Bedürfnissen der Arbeitnehmer richten muss, ist die Chance auf ein passgenaues Arbeitszeitkontingent entsprechend hoch. Ich wüßte von keiner Branche, in der das möglich ist.